Dark Triad · Persönlichkeitsmerkmal
Narzissmus
Ein überhöhtes Selbstbild, Bewunderungsbedürfnis und das Gefühl, mehr zu verdienen als andere.
Auf einen Blick
Einfach erklärt
Narzissmus beschreibt ein aufgeblähtes Selbstbild: Man hält sich für besonders wichtig, talentiert oder liebenswert und möchte dafür bewundert werden. Ein bisschen davon steckt in fast jedem Menschen — es ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das jede:r in unterschiedlichem Maß hat, keine Krankheit.
Typisch sind das Bedürfnis nach Anerkennung, ein Gefühl von „mir steht mehr zu“ und Empfindlichkeit gegenüber Kritik. Ein gesundes Maß an Selbstwert ist völlig normal und sogar nützlich; problematisch wird es erst, wenn das Selbstbild stark auf Kosten anderer aufrechterhalten wird.
Wichtig: Der alltägliche (subklinische) Narzissmus, um den es hier geht, ist etwas anderes als die klinische narzisstische Persönlichkeitsstörung — die diagnostiziert nur eine Fachperson.
niedriger höher
Richtung typischer Zusammenhänge (nicht exakte Werte). Grundlage: Paulhus & Williams (2002) und SD3-Forschung.
Kein Entweder-oder: Die Ausprägung verteilt sich wie eine Glockenkurve — die meisten liegen in der Mitte, nur wenige an den Extremen. (Illustration)
Wissenschaftlich erklärt
Definition & Einordnung
Narzissmus ist im Kontext der Dunklen Triade (Paulhus & Williams, 2002) ein subklinisches, dimensional verteiltes Persönlichkeitsmerkmal, das durch Grandiosität, Anspruchshaltung (Entitlement), Überlegenheitsgefühle, ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung und reduzierte Empathie gekennzeichnet ist.
Der Begriff geht auf die griechische Sage von Narziss zurück und wurde in der Psychologie u. a. von Ellis (1898) und Freud (1914) geprägt. Heute wird zwischen grandiosem (selbstsicher, dominant, exhibitionistisch) und vulnerablem (empfindlich, schamanfällig) Narzissmus unterschieden.
Facetten
Häufig genannte Komponenten sind Führungs-/Autoritätsstreben, grandioser Exhibitionismus sowie Anspruchsdenken und Ausbeutungsneigung. Neuere Modelle trennen zudem eine „Bewunderungs“-Strategie (Selbstaufwertung) von einer „Rivalitäts“-Strategie (Abwertung anderer).
Messung
Klassisch wird Narzissmus mit dem Narcissistic Personality Inventory (NPI; Raskin & Hall, 1979) erfasst. Im Rahmen der Dunklen Triade nutzen Forschende Kurzskalen wie die Short Dark Triad (SD3; Jones & Paulhus, 2014; 9 Items pro Merkmal) oder die „Dirty Dozen“ (Jonason & Webster, 2010).
Korrelate & Abgrenzung
Subklinischer Narzissmus hängt positiv mit Extraversion und (kurzfristig) mit Selbstwert zusammen, negativ mit Verträglichkeit. Er kann das Auftreten in Führungsrollen begünstigen, geht aber mit interpersonellen Kosten einher.
Die klinische narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPD, DSM-5) ist die seltene, stark beeinträchtigende Ausprägung und klar vom alltäglichen Merkmal zu trennen.
Wichtig
Dieser Text erklärt ein alltägliches Persönlichkeitsmerkmal, keine Diagnose. Ein Online-Test ist kein Ersatz für eine psychologische oder ärztliche Abklärung. Bei Leidensdruck wende dich bitte an eine Fachperson.
Mehr erfahrenHäufige Fragen
Ist Narzissmus eine psychische Störung?
Nein. Das hier beschriebene subklinische Merkmal ist in der Allgemeinbevölkerung normal verteilt. Nur die seltene, stark beeinträchtigende Ausprägung gilt als narzisstische Persönlichkeitsstörung — und die diagnostiziert ausschließlich eine Fachperson.
Ist ein bisschen Narzissmus schlecht?
Nicht zwangsläufig. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist nützlich. Kritisch wird es, wenn Anerkennung dauerhaft auf Kosten anderer eingefordert wird.
Was ist der Unterschied zwischen grandiosem und vulnerablem Narzissmus?
Grandioser Narzissmus wirkt selbstsicher, dominant und exhibitionistisch; vulnerabler Narzissmus ist empfindlicher, schamanfälliger und stärker von Kränkung bedroht.
Wie wird Narzissmus gemessen?
Klassisch mit dem NPI (Raskin & Hall, 1979); im Rahmen der Dunklen Triade mit Kurzskalen wie der SD3 (Jones & Paulhus, 2014).
Wo stehst du?
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Zum TestDie anderen beiden Merkmale
Quellen
- Paulhus & Williams (2002), Journal of Research in Personality, 36, 556–563
- Jones & Paulhus (2014), Short Dark Triad (SD3), Assessment, 21(1), 28–41
- Lee & Ashton (2005), Dark Triad in the HEXACO model, Personality and Individual Differences, 38, 1571–1582
- Dark Triad — Wikipedia (overview & further references)