Dark Triad · Persönlichkeitsmerkmal
Psychopathie
Impulsivität, Nervenkitzel-Suche und geringe Empathie – kühl auch unter Druck.
Auf einen Blick
Einfach erklärt
Subklinische Psychopathie beschreibt eine Mischung aus geringer Empathie, Impulsivität, Risiko- und Nervenkitzel-Suche sowie großer Gelassenheit unter Druck. Menschen mit hoher Ausprägung lassen sich wenig aus der Ruhe bringen, handeln schneller und empfinden weniger Reue.
Das ist nicht mit „gefährlich“ oder „kriminell“ gleichzusetzen. Gemeint ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das — wie die anderen — in der Bevölkerung unterschiedlich stark vorkommt. Furchtlosigkeit und Coolness können in manchen Situationen sogar von Vorteil sein.
Die klinisch-forensische „Psychopathie“ (etwa nach Hare) ist die extreme, seltene Ausprägung. Der alltägliche Wert, um den es hier geht, ist davon zu trennen.
niedriger höher
Richtung typischer Zusammenhänge (nicht exakte Werte). Grundlage: Paulhus & Williams (2002) und SD3-Forschung.
Kein Entweder-oder: Die Ausprägung verteilt sich wie eine Glockenkurve — die meisten liegen in der Mitte, nur wenige an den Extremen. (Illustration)
Wissenschaftlich erklärt
Definition & Einordnung
In der Dunklen Triade (Paulhus & Williams, 2002) ist subklinische Psychopathie durch Callousness (Gefühlskälte/geringe Empathie), Impulsivität, Sensation-Seeking, geringe Angst/Furchtlosigkeit und flaches Schuld- bzw. Reueerleben gekennzeichnet. Von den drei Merkmalen gilt sie als das „malevolenteste“.
Frühe Beschreibungen stammen von Cleckley („The Mask of Sanity“, 1941). Unterschieden wird oft zwischen primärer (furchtlos, kalt) und sekundärer (impulsiv, ängstlich) Psychopathie.
Facetten (Triarchisches Modell)
Ein einflussreiches Modell (Patrick, Fowles & Krueger, 2009) unterteilt Psychopathie in drei Bausteine: Boldness (Furchtlosigkeit/soziale Dominanz), Meanness (Gefühlskälte/Ausbeutung) und Disinhibition (Impulsivität/geringe Selbstkontrolle).
Messung
In der forensischen Praxis dominiert die PCL-R (Hare). Für die Allgemeinbevölkerung nutzt man Selbstberichtsskalen wie die Self-Report Psychopathy (SRP) oder die Levenson-Skalen (LSRP, 1995); in der Dunklen Triade die 9-Item-Subskala der SD3 (Jones & Paulhus, 2014).
Korrelate
Subklinische Psychopathie geht mit niedriger Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit, erhöhter Risiko- und Aggressionsbereitschaft und einer kurzfristigen Beziehungs-/Paarungsstrategie einher. Innerhalb der Triade zeigt sie die stärksten Zusammenhänge mit antisozialem Verhalten.
Wichtig
Dieser Text erklärt ein alltägliches Persönlichkeitsmerkmal, keine Diagnose und keine Aussage über Gefährlichkeit. Ein Online-Test ersetzt keine klinisch-forensische Beurteilung. Bei Belastung wende dich an eine Fachperson.
Mehr erfahrenHäufige Fragen
Bedeutet ein hoher Psychopathie-Wert, dass jemand gefährlich ist?
Nein. Gemeint ist ein normal verteiltes Persönlichkeitsmerkmal (Furchtlosigkeit, Impulsivität, geringe Empathie), nicht Kriminalität oder Gefährlichkeit. Nur die seltene, extreme klinisch-forensische Ausprägung ist etwas anderes.
Was ist der Unterschied zwischen primärer und sekundärer Psychopathie?
Primäre Psychopathie ist eher furchtlos und kalt, sekundäre eher impulsiv und ängstlich/reaktiv.
Was ist das triarchische Modell?
Ein Modell (Patrick et al., 2009), das Psychopathie in Boldness (Furchtlosigkeit), Meanness (Kälte) und Disinhibition (Impulsivität) aufteilt.
Wie wird Psychopathie gemessen?
Forensisch mit der PCL-R (Hare); als Selbstbericht mit SRP oder LSRP (Levenson et al., 1995); in der Dunklen Triade mit der SD3 (Jones & Paulhus, 2014).
Wo stehst du?
Der darkquiz-Test verortet dich auf allen drei Achsen der Dunklen Triade — anhand von Alltagsszenarien, in wenigen Minuten.
Zum TestDie anderen beiden Merkmale
Quellen
- Paulhus & Williams (2002), Journal of Research in Personality, 36, 556–563
- Jones & Paulhus (2014), Short Dark Triad (SD3), Assessment, 21(1), 28–41
- Lee & Ashton (2005), Dark Triad in the HEXACO model, Personality and Individual Differences, 38, 1571–1582
- Dark Triad — Wikipedia (overview & further references)